Das Wort vom Pastor

Liebe Leserin,
lieber Leser,

eine unserer Töchter blieb einmal während des Sommerurlaubs zuhause. Ich erinnere mich noch gut, wie ich ihr
kurz vor der Abfahrt mehrmals dieselben Hinweise gab: „Denke an die Mülltonnen, gieß die Blumen, nimm
dir Essen aus der Kühltruhe, arbeite nicht so viel, lade dir Freunde ein, denk
an die Meerschweinchen …“ Es war eine Sammlung von letzten Wünschen
und Anweisungen, damit das arme Kind nichts vergisst, nicht verhungert
und nicht an Einsamkeit zugrunde geht.
Ich erinnere mich auch an den genervten Gesichtsausdruck meiner
Tochter, der mir signalisierte: „Ich weiß das doch alles, du hast mir einen
Zettel geschrieben, vertrau mir doch einfach.“ Und ich hoffe, dass meine
Tochter hinter ihrem Blick registrierte, dass sie mir wichtig ist und ich deshalb
nicht müde wurde, mich zu wiederholen.

Der Apostel Paulus beendet seinen Kolosserbrief auch mit einer ganzen
Sammlung guter Wünsche und Ratschläge. Was er schreibt, haben wir
schon oft gehört, es gibt eine ganze Bibel voll davon. Und er schließt:
Eure Rede sei allezeit freundlich und mit Salz gewürzt, dass ihr wisst, wie
ihr einem jeden antworten sollt. Kol 4, 6

Ja, unsere Rede soll gewinnend, freundlich, wahrhaftig sein und zum
Nachdenken anstoßen. Weil wir uns nicht um uns selbst drehen, sondern
Kontakte zu unserer Umgebung haben, sollen wir uns genau überlegen, was
und wie wir etwas sagen. Es besteht ja immer die Gefahr, dass wir es
überheblich und rechthaberisch tun. Freundlich mit den Leuten sprechen,
sie wie Freunde anreden und nicht wie Gegner, die bekämpft und überwunden
werden müssen. Das fällt oft schwer, gerade dann, wenn wir von unserer
Meinung überzeugt sind. Doch wir sehen auch, wie sehr Worte verletzen
können, wie sie Konflikte eskalieren lassen. Oft ist tatsächlich das
Sprichwort wichtig: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.

Also: Wie reden wir mit Anderen, gerade auch mit denen, mit denen
wir es nicht so leicht haben? Sind wir bereit, wie Freunde eine
Wegstrecke mit ihnen zu gehen? Oder trommeln wir auf sie ein wie
ein Gewitterregen und lassen sie dann wie begossene Pudel auf der
Straße stehen? Hauptsache, wir sind unsere Botschaft losgeworden?

Dabei rede ich nicht der sanften immer nachgebenden Rede das
Wort. Paulus sagt ja auch: Eure Rede sei mit Salz gewürzt. Eine salzige
Rede ist reinigend, desinfizierend, sie ist aber auch gewürzt mit
Wahrhaftigkeit und ganz sicher nicht fade. Für mich bedeutet es, im von
Gott gegebenen richtigen Moment darüber ins Gespräch zu kommen,
was im Leben wirklich zählt. Wo die Beziehung zum Mitmenschen freundschaftlich eingebettet ist,
findet solche salzige Wahrheit offene Türen. Ich wünsche Euch/Ihnen in
diesem Sinne: Möge Euer Wort immer klar, rein und freundlich sein,
manchmal auch ordentlich gesalzen.

Ihr/Euer

Herbert Falke