Schwestergemeinde in Uganda

Aus der Sicht des Pfarrers Herbert Falke, die von Nairobi/ Kenia aus zuständig ist:

Statistik

Von den ca 600 deutschsprachigen Einwohnern Ugandas halten sich ca 40 Haushalte zur deutschsprachigen Gemeinde, welche sich als Community monatlich zum kath./ bzw. evang. Gottesdienst versammelt.

Als Pfarrer reise ich 5-6 mal im Jahr nach Kampala, um dort Gottesdienste, Unterricht und Seelsorge durchzuführen und erlebe eine zwar nicht konstituierte, aber stabile christliche Gemeinschaft, die sich sehr gut selbst organisiert und trotz Weg-und Zuzüge einladend und konstant ist.

„Mitglieder der Gemeinde“: ca 66 in 21 Haushalten in Uganda

Gottesdienste: sechs evang. Gottesdienste pro Jahr, fast immer mit Kindergottesdienst und Abendmahl, mit ca 20-40 Personen im Lourdel House der Weißen Väter.

Finanzen: Die Gemeinde verfügt über keinen Haushalt. In den Gottesdiensten wird Kollekte gesammelt. Diese kommen sozialen Projekten zugute, eine kleine Aufwandsentschädigung wird an das Lourdelhouse der Weißen Väter gezahlt, in dem wir zu Gast sind. Treffen, Unterbringung, Veranstaltungen finanzieren die Teilnehmer aus privater Kasse. Anreise und Gehalt der Pfarrer bezahlt die Gemeinde Nairobi und die EKD. Ein „Schatzmeister“ verwaltet die Kollekte und leitet sie an die Sozialprojekte weiter

Besuche

An den Wochenenden bin ich je zu Gast bei einer anderen Familie bzw. einem Ehepaar, welches mich einlädt. Auf diese Weise habe ich die Chance, die Familien intensiver kennenzulernen und ins Gespräch mit Erwachsenen und Kindern zu kommen.

Seelsorge

Neben den oft intensiven Gesprächen in der Gastfamilie biete ich am Samstag oder Sonntagnachmittag die Möglichkeit an, sich mit mir zum seelsorgerlichen Gespräch zu sprechen. Dies wird immer wieder von einzelnen Personen angenommen. Themen sind die berufliche Situationen, die nichtberufliche Situation mitgereister Ehepartner, Eingewöhnung im fremden Land, soziale und wirtschaftl. Misere des Landes, Politik und Verhältnis zu Angestellten bzw. zur ugand. Familie des Ehepartners u.a.

Tauf- und Konfirmandenunterricht

Am Samstag biete ich außerdem Konfirmandenunterricht, aber auch Taufunterricht mit Kindern bzw. Erwachsenen an.

Gesprächsabende/ Familiennachmittage

Am Samstagnachmittag oder Abend versammeln wir uns mit Kindern oder zum Gespräch mit Erwachsenen und erzählen, oft auch zu einem Thema, planen die nächsten Termine, tauschen uns aus, lernen einander kennen und kochen oder spielen zusammen. U.a. wurde auch schon ein Schwein in der Erde gebraten, Geburtstage gemeinsam gefeiert oder schwimmen gegangen. Die Planung der nächsten Wochenenden, der Freizeit und des Gottesdienstes am nächsten Tag findet außerdem bei diesem Treffen statt. Meist ist auch der kathol. Priester Rudi Lehnerts mit dabei, welcher die kathol. deutschsprachigen Gottesdienste im Monat zwischen meinen Besuchen durchführt und sich seelsorgerlich ebenfalls um die Gemeinde kümmert. Höhepunkte des Zusammenseins in der Gemeinde waren zwei Familienfreizeiten 2011 in Fort Portal an der Grenze zum Kongo und 2012 in Mbale, an der kenian. Grenze mit je 30-40 Personen.

Gottesdienste

Der Gottesdienst ist immer Höhepunkt der Wochenenden. Er findet um 11 oder 12 Uhr in der Kapelle des Lourdel-Houses statt und wird von 20-40 Personen besucht. Eine kleine Gruppe von Ehrenamtlichen bereitet einen Kindergottesdienst vor. Meist haben die Gottesdienste Familiengottesdienstcharakter, da relativ viele Kinder anwesend sind. Am Tag zuvor finden sich immer Freiwillige, die mitlesen und beten, Szenen vorführen oder sich an der Vorbereitung des Abendmahls bzw. des Kirchenkaffees beteiligen. Zum Abendmahl sind getaufte Kinder und Erwachsene jeder Konfession eingeladen. Für die musikal. Begleitung haben wir aus Spenden der Gemeinde eine Gitarre gekauft und ab und zu findet sich auch ein/e Organistin zur Begleitung der Lieder auf dem piano. Nach dem Gottesdienst bleiben wir noch zum Kirchenkaffee zusammen. Jeder bringt etwas mit und räumt mit auf, so dass dies eine beliebte, leckere Runde zum Austauschen und Kennenlernen in der deutschsprachigen Community darstellt.

Wenn Sie Interesse haben an den Gottesdiensten und Veranstaltungen teilzunehmen, melden Sie sich bitte bei mir: Pfarrer Herbert Falke und bei Susanne Pflanz, damit Sie in den email-Verteiler aufgenommen werden können und Informationen empfangen können. 

Situation in Uganda

Am 20. Februar 2016 fand zum 5. Mal die Wahl des Präsidenten Yoweri Kaguta Museweni statt. Trotz Einführung des Mehrparteiensystems 2006 gewann immer wieder die regierende Partei National Resistance Movement NRM mit ca 60 % der Stimmen. Trotz 2005 erneuerter Verfassung werden die darin enthaltenen Grundrechte, wie Versammlungs- und Meinungsfreiheit, Schutz von Minderheiten sowie von Frauen, Kindern und Menschen mit Behinderung nicht allen zugestanden. Nach der Wahl im Februar kam es zu Protesten der Bevölkerung wegen Wahlfälschung, welche durch Einschreiten des Militärs abgebrochen oder rigoros eingeschränkt wurden. Mir fällt überhaupt eine stärkere Präsenz von Polizei und Militär auf den Straßen auf, welche zu häufigen Kontrollen und zu Einschüchterung der Bevölkerung führt.

Ein großes Bevölkerungswachstum, übervolle Schulen in schlechtem Zustand, Verbreitung von HIV/AIDs /Virus und die Preissteigung machen es besonders der armen Bevölkerung schwer, zu überleben. Korruption und Verantwortungslosigkeit der Machthaber zuungunsten der Armen und Kranken sind auch hier an der Tagesordnung. Der Konflikt im Kongo, aber auch in Somalia beschäftigt die Politik Ugandas und führt zu Einmischung in meist friedlicher Absicht. Viele Flüchtlinge kommen über die Grenzen und müssen versorgt werden. Die Kriminalität ist innerhalb der Stadt Kampala geringer, wobei es in der Nacht und in den Außenbezirken auch gefährlich ist. In der Hoffnung auf stärkere Demokratisierung des Landes mischen sich verstärkt die Mitglieder anderer Parteien, sowie die Medien in die Politik ein und beeinflussen so in meist positiver Weise das Denken und Handeln der Bevölkerung hin zu mehr Freiheit und Verantwortungsgefühl.